Warum es so schwer fällt, unsere Gewohnheiten zu ändern

Warum es so schwer fällt, unsere Gewohnheiten zu ändern

Welche Erfahrungen haben Sie mit neuen gesunden Vorsätzen oder Diäten gemacht? Haben Sie versucht, sich strikt an bestimmte Ernährungsprinzipien zu halten oder einen straffen Trainingsplan zu absolvieren? Vielleicht ist es Ihnen tatsächlich gelungen, Gewicht zu reduzieren. Jedoch war der hart erkämpfte Erfolg nicht von Dauer und Sie kehrten doch wieder zum Ausgangsgewicht zurück.

Vor allem Frauen tendieren in solchen Situationen dazu, sich Vorwürfe zu machen, sich für disziplinlos und schwach zu halten, weil sie die guten Vorsätze nicht dauerhaft in die Tat umsetzen. Ich kenne viele Frauen, die andauernd zwischen Diätphasen und „Jetzt-ist`s-auch-egal“-Phasen pendeln. Sie haben ihre natürliche stressfreie Beziehung zum Essen, und vor allem zu ihren eigenen Bedürfnissen verloren.

Ich möchte Ihnen mit diesem Beitrag aufzeigen, dass Sie KEINE SCHULD haben, dass es NICHT an mangelnder Disziplin und schon gar NICHT an Ihrer Person liegt, dass Sie immer wieder in alte Muster zurück fallen.

Tatsächlich sind es unter anderem uralte Überlebensprogramme in unserem Gehirn, die so gar nicht auf Veränderung programmiert sind und auf die wir nur bedingt Einfluss nehmen können. Dies soll nicht bedeuten, dass Sie keine Chance haben, gesunde neue Gewohnheiten zu etablieren. Im Gegenteil!

Mir ist jedoch zunächst einmal wichtig, dass Sie aufhören, sich andauernd Vorwürfe zu machen und so negativ über sich selbst zu denken. Denn inzwischen wissen wir, dass andauernde negative Gedanken bzw. Emotionen (z.B. bei jeder Mahlzeit) Stresshormone aktivieren, die auf Dauer zu Gewichtszunahme führen können, insbesondere aber zur Einlagerung von Bauchfett. Daher ist es so wichtig, wieder eine natürliche, genussvolle und stressfreie Beziehung zum eigenen Essen, Bewegen und Leben aufzubauen!

Mein Schweinehund und ich: Warum es so schwer fällt, Gewohnheiten zu ändern

Doch warum werden Diäten und Trainingsprogramme so häufig abgebrochen oder gar nicht erst begonnen?

1. Überforderung

Nehmen wir an, Sie möchten bis zum nächsten Strandurlaub in zwei Monaten 10 kg abnehmen. Dafür müssten Sie vier bis fünfmal wöchentlich intensiv trainieren, einen Ernährungsplan erstellen, Rezepte raussuchen, Zeit zum Einkaufen und (Vor)kochen investieren, Heißhungerattacken bändigen, die Familie ins Boot holen und und und. Im besten Falle versuchen Sie es einige Tage, geben jedoch nach spätestens vier Wochen genervt auf. Andernfalls fangen Sie gar nicht erst an, weil das Ziel so hochgesteckt ist, dass Sie sich mit der Umsetzung völlig überfordert fühlen und sich nicht vorstellen können, es zu schaffen.

2. Gewohnheiten

Jeder Mensch hat Gewohnheiten. Gewohnheiten sind Automatismen, Rituale, über die wir nicht nachdenken müssen und die automatisch ablaufen wie z.B. Zähne putzen, Autofahren, Essen. Das ist auch gut so, denn unser Gehirn wäre komplett überfordert, wenn all das nicht automatisch ablaufen würde. Gewohnheiten haben aber auch eine Kehrseite, denn sie machen uns unflexibel und erschweren Veränderung. Typische Essgewohnheiten können beispielsweise sein:

  • Sie essen immer zur gleichen Zeit
  • Sie essen schnell und kauen ungenügend
  • Sie essen während des Fernsehens
  • Nach dem Essen brauchen Sie etwas Süßes
  • Sie backen jedes Wochenende einen Kuchen
  • Sie essen die Reste vom Teller der Kinder
  • Sie brauchen beim Fernsehabend immer etwas zu knabbern
  • Wenn Sie frustriert sind, brauchen Sie etwas Süßes
  • Wenn Sie gestresst sind, trinken Sie ein Glas Wein ….

3. Angst

Unsere Gene sind immer noch die alten. In unserer hochentwickelten Welt leben wir immer noch mit einem steinzeitlichen Gehirn, dem es ausschließlich ums Überleben geht. Unsere Vorfahren waren täglich lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt. Wir mussten ständig auf der Hut sein vor gefährlichen Tieren, hochgiftigen Pflanzen, Naturkatastrophen. Jede Veränderung, jedes Verlassen der gewohnten Gefilde konnte Gefahr bedeuten. Angst war ein wichtiger Schutzmechanismus, der über Leben und Tod entschied. Noch heute schlägt unser Hirn (genauer gesagt die Amygdala im Mittelhirn) sofort Alarm, sobald wir unser sicheres Routineverhalten, z.B. unsere Essgewohnheiten, aufgeben.

Diese steinzeitliche Angst gegenüber Neuem führt dazu, dass wir äußerst widerwillig unsere Komfortzone verlassen und uns lieber in alten, wenn auch unerwünschten Gewohnheiten aufhalten. Natürlich gibt es auch Menschen, die Herausforderungen lieben und brauchen und zu Höchstform auflaufen. Aber für die meisten verursachen große Ziele und Herausforderungen große (zum Teil unbewusste) Ängste bzw. Stress (wie wir heute sagen würden).

Es ist wichtig, dass Sie diesen tief verankerten Überlebensmechanismus verstehen. Ich bitte Sie, nicht so streng mit sich zu sein. Lassen Sie uns überlegen, wie wir unser Steinzeithirn austricksen können, damit es nicht mit Angst, Flucht oder Kampf reagiert und wir ganz entspannt unsere alten Gewohnheiten umprogrammieren.

Warum es so schwer fällt, Gewohnheiten zu ändern

1. Stellen Sie sich selbst kleine Fragen

Unser Gehirn mag keine Vorschriften und Anweisungen: Trinken Sie 3 Liter Wasser,  Essen Sie dreimal täglich Gemüse, Verzichten Sie auf Brot, Trainieren Sie mehrmals wöchentlich. Ab 16.00 Uhr keine Kohlenhydrate…. . Sie merken schon, da reagieren wir sofort mit einer Abwehrhaltung.

Statt dessen findet es Fragen richtig toll. Kleine Fragen wecken unsere Neugier und Kreativität und wir bleiben im Rahmen des Machbaren. Probieren Sie es doch hier direkt einmal aus. Sie werden feststellen, dass Sie für alle Fragen bereits die perfekte Lösung kennen. Und zwar die Lösung, die zu IHNEN und in IHREN Alltag passt und allein dadurch ohne Probleme umsetzbar sind.

Frage an mich selbst:  Wenn meine Gesundheit höchste Priorität hätte, was würde ich dann HEUTE anders machen?

Meine Antwort: ………………………………………………………………………………………………………………………………………..

 

Frage an mich selbst: Was wäre eine gute Möglichkeit, mich selbst daran zu erinnern, mehr Wasser zu trinken?

Meine Antwort: ……………………………………………………………………………………………………………………………………….

 

Frage an mich selbst: Wie kann ich mehr Bewegung in meinen Tagesablauf einbauen?

Meine Antwort: ……………………………………………………………………………………………………………………………………….

 

Frage an mich selbst: Welchen kleinen Schritt kann ich (heute) machen, um in drei Monaten 4 Kilo abzunehmen?

Meine Antwort: …………………………………………………………………………………………………………………………………………

 

2. Machen Sie kleine Schritte

Kleine Maßnahmen schützen uns davor, Dinge, die uns zu groß erscheinen, aufzuschieben oder gar nicht erst umzusetzen. Sie bringen uns ins TUN, ganz nach Laotse: ,,Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“.

Aber noch mal, nehmen Sie sich nur Dinge vor, die Sie wirklich mit Leichtigkeit umsetzen können, die keinen Widerwillen erzeugen. Die Gefahr, dass Sie es nach einigen Tagen aufgeben, ist zu groß. Hier ein paar Ideen für gesunde Minischritte:

Weniger Kohlenhydrate: Ersetzen Sie jedes Mal wenn Sie Nudeln essen die Hälfte durch Ihr Lieblingsgemüse oder Gemüsenudeln.

Mehr Bewegen: Nehmen Sie ab heute NUR MORGENS die Treppe ins Büro statt den Aufzug.

Mehr Trinken: Trinken Sie jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen ein Glas warmes Wasser.

Abends weniger Essen: Nehmen Sie einen kleineren Teller.

Joggen gehen: Laufen Sie nicht länger als 5 Minuten

Weniger Zucker: Nehmen Sie einen halben Teelöffel weniger Zucker in den Kaffee

Weniger Naschen vor dem Fernseher: Legen Sie die Chips-Tüte in einen anderen Raum

Weniger Schokolade: Ersetzen Sie die gewohnte Schokolade durch eine Sorte mit minimal höherem Kakaoanteil

Ich kann mir vorstellen, was Sie jetzt denken: ,,Das bringt doch nichts. Wie soll ich so 10 Kilo abnehmen? Fünf Minuten Joggen – da brauche ich gar nicht erst anfangen…“

Aber genau darum geht es. Es geht ums ANFANGEN, es geht um den ERSTEN Schritt. Wenn Sie den gemacht haben, wird es schon leichter und es folgt der zweite, dann der dritte usw.

Wenn ich einen Monat immer morgens die Treppe genommen habe, wird es mir irgendwann zur Gewohnheit werden. Auf diese Weise arbeiten Sie täglich aufs Neue an Ihrer Fitness und Ihrer Motivation, sich zu bewegen. Zudem erhöhen Sie ganz nebenbei Ihren Grundumsatz und Kalorienverbrauch.

Wenn ich einen Monat lang meine Spaghetti zur Hälfte mit Zuccini Spaghetti ersetzt habe, brauche ich irgendwann gar keine Weizennudeln mehr, damit es mir trotzdem richtig lecker schmeckt.

Wenn ich einen Monat lang einen halben Teelöffel weniger Zucker in den Kaffee getan habe, kann es irgendwann auch ein drei viertel Teelöffel weniger sein, dann ein ganzer Teelöffel weniger. Vielleicht brauche ich irgendwann gar keinen Zucker mehr in meinem Kaffee. Auf den Tag, den Monat oder gar ein Jahr gerechnet sparen Sie nicht nur deutlich Kalorien ein, sondern halten auch Ihren Blutzuckerspiegel stabil und somit auch Ihr Gewicht.

 

Es sind die kleinen, täglichen Gewohnheiten, die langfristig über den Zustand unserer Gesundheit, unserer Fitness, unserer Figur und unseres Wohlbefindens entscheiden.

Was ist HEUTE Ihr erster Schritt, um IHR Ziel zu erreichen?

 

Warum es so schwer fällt, unsere Gewohnheiten zu ändern

 

Wenn Sie Interesse haben, sich weiterführend mit diesem Thema zu beschäftigen, empfehle ich Ihnen dieses kleine Büchlein von Robert Maurer: Kleine Schritte, die Ihr Leben verändern. Die Inhalte dieses Artikels orientieren sich daran. Ein tolles Buch um ins Tun zu kommen und Ziele und Aufgaben effektiv umzusetzen ist auch dieses von Brian Tracy: Eat that Frog.

Ich hoffe ich Ihnen hat mein Beitrag: Warum es so schwer fällt, unsere Gewohnheiten zu ändern, gefallen und ich konnte Ihnen ein paar Ideen mitgeben, die Sie direkt umsetzen können.

2 Kommentare
  • Axtschmiede
    Veröffentlicht um 10:06h, 07 Mai Antworten

    Wieder mal klasse geschrieben, wie Gewohnheiten entstehen, wie man sich welche zu- oder ablegen kann. Da muss ich doch gleich mal über meine Gewohnheiten nachdenken.

    • Rabea
      Veröffentlicht um 19:42h, 07 Mai Antworten

      Dankeschön! Ganz genau, der erste Schritt beginnt damit, sich die eigenen täglichen Routinen überhaupt erst mal bewusst zu machen und zu hinterfragen, welche davon mich positiv oder negativ beeinflussen.

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